Besitzer: Matthias Puschnig
Hier schreibt der Gründer von Monalvo
Es gibt heute drei Internet-Giganten, die momentan das Geschehen rund um das Internet dominieren: Apple, Facebook und Google. Während Apple mit dem iPhone und möglicherweise mit dem iPad den Prototyp des Endgerätes vorgelegt und damit die letzte Runde der weltweiten Verbreitung des Internet eingeleitet hat, sind Google und Facebook so etwas wie Branchenbuch und Telefonbuch des www geworden. Beide sind auf ihrem Gebiet Monopolisten – und das ist überraschenderweise gut so!
Heute ist buchstäblich jedermann im Internet präsent: Unternehmen, Regierungen, Vereine und Organisationen haben ihre Websites, auf denen sie informieren, sowie Produkte und Dienstleistungen abrufbar machen. Mittels Suchmaschinen, wie beispielsweise Google sind wir fast immer in der Lage das zu finden, was wir suchen. Suchmaschinen ersetzen sozusagen das gute alte Branchenbuch, in dem ich nach Angeboten und Informationen suchen kann.
Mit dem sogenannten Web 2.0, welches heute eher unter dem Namen Social Media bekannt ist, entwickelte sich das Internet einen Schritt weiter hin zu Sozialen Netzwerken und Netzgemeinschaften, die als Plattformen zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen dienen. Aber was viel revolutionärer ist, erst durch Social Networks, das bekannteste Beispiel heute ist Facebook, haben auch Privatpersonen im breiten Stil begonnen, im Internet präsent zu sein. Viele Menschen sagen mir: Ich weiß nicht, wofür Facebook eigentlich gut ist, aber hier finde ich die meisten Leute, mit denen ich je zu tun hatte. Genau dafür ist Facebook gut: Es ersetzt das gute alte Telefonbuch.
Zusammengefaßt heißt das: Wenn das Internet der Nachfolger von gleichzeitig Telefon, Fax, Telex, Telegramm, Videokonferenz und Brief ist (oder immer mehr dazu wird), dann sind Google und Facebook Verzeichnisdienstleister, wie bisher Branchenbuch („Gelbe Seiten“) und Telefonbuch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Daraus folgen einige interessante Prognosen:
Für den Nutzer des Internet sind beide Dienste umso wertvoller, je umfassender und damit monopolistischer sie sind. Es ist also kaum mit direkten Konkurrenten zu rechnen es sei denn, einer von beiden wird gekauft, aber dann heißt der Monopolist nur anders.
So lange keiner von beiden seine Macht zu aggressiv nutzt, was im Internet sofort massenhaft abgestraft wird und beiden schon passiert ist, werden beide Anbieter stabil ihre Position wahren können, da sie nicht zwei Anbieter unter vielen sind, sondern ein elementares Grundbedürfnis abdecken.
Beide Unternehmen haben zwei mögliche Stoßrichtungen:
Einer könnte den anderen kaufen. Google war für Facebook jedoch bisher zu teuer und Facebook ist seit der Beteiligung von Goldman Sachs ebenfalls so teuer geworden, dass diese Option bis auf weiteres ausfällt. Sie können versuchen, dem jeweils anderen das Geschäft durch eigene Anwendungen abzugraben. Google versucht das mit Gmail, Bookmarks und anderen Tools, Facebook seit ein paar Monaten mit eigenen Werbeangeboten und einbindung von Suchmaschienenergebnissen. Diese Bemühungen werden noch durch die Erweiterungen eigener Angebots verstärkt. Bedeutsam ist hier, dass Google YouTube gekauft hat. Die Integration mit YouTube ist aber auch für Facebook wichtig. Für den Nutzer ist es letztlich unwichtig, so lange alle gewünschten Funktionen beider Unternehmen möglichst einfach und parallel zu nutzen sind und so lange keiner seine Macht zu stark ausnutzt.
Was bedeutet das für alle anderen Internetangebote mit starkem Communityaspekt?
Entweder man versucht wie MySpace, Konkurrenz zu Facebook zu werden, was vermutlich schief gehen würde (weswegen auch YouTube auf diesen Weg verzichtet hat und einfach als Anbieter einer technischen Leistung für das veröffentlichen von Videos sein Heil unter dem Dach von Google sucht) oder man versucht ein Aggregator für ein bestimmtes Thema zu werden, das Kunden über beide Wege bekommt (eBay). Gewissermaßen versuchen solche Unternehmen die erste Position in einer oder verschiedenen Rubriken der „Gelben Seiten“ im Internet zu sein. Genau diesen Weg geht Monalvo: Das Klassikpublikum findet Monalvo über Google und Facebook und bekommt hier nahezu alles, was mit Klassik zu tun hat.
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Herzlich willkommen im Internetzeitalter! Dies ist keine spöttische Bemerkung, nein es sind die berühmt-berüchtigten Lobes-Lorbeeren vorweg. Vorbei die Zeit wo die Intendanz selbstverliebt im musikalisch-künstlerischen abtauchte und die ehrwürdige Marke den Stürmen des neuen Internet-Zeitalters ungeschützt ausgesetzt war. Martin Hoffmann heißt der neue Intendant, der die Philharmoniker für das 21. Jahrhundert rüstet.
Man kann es drehen und wenden wie man will, am World Wide Web, vulgo Internet, und Web 2.0, neuerdings nur noch Social Media genannt, kommt kein Mensch, keine Firma und kein Orchester mehr vorbei. Die Zukunft ist Digital. Das hat der neue Intendant Hoffmann, Jurist und Medienmanager erkannt. Er schickt sich an, für sein Orchester ein großes Stück vom Klassik-Kuchen abzuschneiden: mit Live-Übertragungen der Spielveranstaltungen auf Kinowände, mit einem kostenpflichtigen Live-Stream im Internet für moderate 149 Euro im Jahr und 9 Euro pro Einzelzugang. Da mögen die althergebrachten höhnen, dass alles sei doch keine Klassik-Marketing mehr. In der Tat, das ist es auch im klassischen Sinn nicht mehr. Die Vermarktung der Klassik erfindet sich gerade neu. Es ist eine Mischung aus Aufführung in Konzertsälen und multimedialer Verbreitung, ob live oder gestreamt. Die neue Klassik nutzt die Möglichkeiten der sozialen Netzwerk, der spezialisierten Communitys, interaktiver Austauschplattformen. Mit Hoffmann schickt sich ein neuer Typus von Intendanten an, die Klassik mit dem Populären zu vermählen. Raus aus den oftmals verstaubten, dunklen Konzertsälen in das gleißende, vielversprechende Licht des Netz der Netze.
Die Performance hat freilich keinen Selbstzweck. Nicht weil es gerade der dernier cri, also neudeutsch hip und angesagt ist, sondern weil Hoffmann das Orchester und damit zwangsläufig auch die Klassik in der Außendarstellung entwickeln und dem Volk näher bringen, also popularisieren will. Bravo, möchte man ausrufen, soviel Chuzpe muss man erst mal haben! Ich höre schon das Rufen im Walde. „Wir wollen unseren Karajan wieder“. Dabei ist die fulminante Entwicklung des exquisiten Klangkörpers bis heute, ohne den schlohweißen Maestro und ohne Claudio Abbado nicht vorstellbar. Doch nicht nur, und das ist aus meiner künstlerischen Sicht erfreulich, das Marketing verändert sich, sondern auch die Komposition des Klangs schreitet vorwärts – Crossover-Projekt im Kammermusiksaal sind vorstellbar. Wir dürfen also gespannt sein, ob die Philharmoniker Ihrer Vorreiterrolle in Deutschland gerecht werden und ob weitere den Maßgaben aus Berlin nacheifern.
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Die Klassik hat ein Vermarktungs- und Wahrnehmungsproblem – in den Augen der Jugend, der Klassikkonsumenten der Zukunft kommt sie alt, speziell und eingefahren daher. Alt – klassische Musik wird in „alten Hallen“ von „alten Musikern“ in alten Kleidungsstücken vor altem, konservativen, langweilig gekleideten Publikum gespielt. Speziell – klassische Musik ist für das Popmusikohr anstrengend, denn sie ist nicht eingängig. Eingefahren – die Darbringung der Musik hat sich nicht weiterentwickelt, sie hat in den Augen der Generation Facebook nichts spannendes, sie ist im heutigen Jargon nicht „sexy“.
David Garrett hingegen ist sexy! Ebenso wie man Mozarts Musik zu seiner Zeit sehr wahrscheinlich als Popmusik bezeichnet hätte, schafft es ein Musiker wie Garrett heute sowohl das klassikferne Publikum als auch Klassikfans zu begeistern. Wo man auch hinschaut, überall Preisverleihungen und Begeisterungsstürme, es entwickelt sich geradezu eine Garretmania. Im Web 2.0, zum Beispiel bei Youtube schwärmen die User mit Aussagen wie „den will ich heiraten“ bis hin zu „Sehr schön anzuhören und anzusehen! Mitreißend, zum Träumen, macht Lust auf Musizieren“. Wer hat das je zuvor geschafft? Nun werden eingefleischte Klassik-Liebhaber protestieren: „Das ist doch keine klassischen Musik“. Meine Antwort: Jein. Garrett interpretiert klassische Musik modern wie Popmusik, im Moment schafft kein anderer Klassikinterpret den musikalischen Spagat: Er spielt Klassik und Pop in einem Konzert, auf einem Album, in einer TV-Show und wird umjubelt.
Ganz anders seine Vorgängerin am Klassikhimmel Anna Netrebko, ein neuer Typ von Opernsängerin, die es schafft, über Aussehen, Style, Storytelling , Image und Videoclips und last but not least einer brillanten, anziehenden Stimme das Publikum in die Opernhäuser Europas strömen zu lassen. Sie war und ist erfolgreich – für sich selbst und für die Musikindustrie. Die Vermarktung der Sopranistin hat ordentlich Geld in die von Ebbe bedrohten Kassen des Business gespült. Doch hat sie neue Zielgruppen für die klassische Musik begeistern können? Ich meine nicht. Doch gewissermaßen ist Garret ohne Netrebko nicht vorstellbar, denn auch Garret setzt auf die Vermarktungsmechanismen der Popmusikindustrie.
Werfen wir noch einen Blick zurück: Mit Andre Rieu, einem Kitschgeiger ohne gleichen, schickte sich das Klassikbusiness in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts an, einen neuen Interpreten klassischer Musik zu erschaffen und neue Zielgruppen zu erschließen. Ein ähnliches Derivat war und ist Rondo Veniziano, die Barockmusik mit Schlagzeug und E-Gitarre unterlegen und sich zu allem Überfluss auch noch in Rokokkokokostüme schmeißen. Das tat und tut der klassischen Musik an sich nicht gut. Sie wurde zu einer Art volkstümliche Musik verstümmelt, Rieu’s Kreationen und Vivaldis herrliches Violinkonzerte „Vier Jahreszeiten“ lief fortan bei jedem Italiener rauf und runter. Den Verkaufszahlen waren diese Experimente nicht abträglich, die Jugend wurde mit so viel Borniertheit jedoch meilenweit in die Flucht geschlagen.
Die entscheidende Frage ist heute, was hat die Klassik von solchen Experimenten? Ich empfinde David Garrett als extrem hilfreich, klassikferne Gruppen, Generationen und gesellschaftliche Schichten an diese schöne, aber oftmals nicht einfach anzuhörende heranzuführen. Wenn jetzt das Beispiel noch Schule macht, eigene Klassikkonzerte für ein junges Publikum ab 22 Uhr einzuführen, dann stehen der Klassik gute Zeiten bevor.
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Es ist schon eine Krux mit der Klassik – sie sucht neue Wege und findet sie nicht. Die Opernhäuser inszenieren ungezählte Uraufführungen, doch substanzielle Erfolge gibt es keine. Anstelle darüber nachzudenken, was das Publikum will, komponiert man hierzulande für die Jurien von Wettbewerben – also für die eigenen Lehrer.
Die neue Musik ist in Mitteleuropa die tonangebende Avantgarde und sie ist nachwievor so unbeliebt wie zu Arnold Schönbergs Zeiten. Dies hängt jedoch mit den Ansprüchen der Komponisten an ihr Publikum zusammen. Nehmen wir als Beispiel die Oper. Betrachtet man den Output hierzulande, so könnte gar der Verdacht aufkommen, dass Komponisten nur für Ihresgleichen die Feder schwingen. Ganz anders jenseits des Atlantiks, in den USA, wo Komponisten geradezu erpicht sind, mit ihren Werken dem Publikum zu gefallen. Hegie, Adamo, Golijov, Catán, Previn, Glass: sie alle verstehen es, im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen, traditionelle und packende Geschichten zu erzählen, statt in abstrakte Klangtheaterräume vorzustoßen. Es wäre interessant festzustellen, wie diese Musik auf das europäische Publikum wirkt. Dazu müßte man diese Werke hier allerdings aufführen und nicht dem Publikum vorenthalten. Hierzulande entstehen neue Werke allerdings nicht mit Blick auf das Publikum, sondern als Auftragskomposition, die nur allzu häufig über die Uraufführung nicht hinauskommen oder als Wettbewerbsbeitrag, wo sie wiederum nur durch andere zeitgenössische Komponisten beurteilt werden.
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Die ehrwürdige britische EMI, die schon 2007 einmal in finanzielle Schwierigkeiten geriet und im August desselben Jahres von der Investmentfirma Terra Firma übernommen wurde, sorgt weiter für Schlagzeilen.
In der EMI-Pensionskasse klafft ein Loch von bis zu 200 Millionen Pfund. Der Kapitalbedarf für dieses Jahr wird auf 26,5 Millionen Pfund taxiert, nachdem EMI bereits zu Jahresanfang eine Kapitalspritze von 105 Millionen Pfund benötigte – EMI wäre damit als kleinster der vier großen Plattenlabels ein heißer Übernahmekandidat. Dennoch haben nach Universal Music auch Sony Music wegen des geforderten Preises abgewinkt. Es rächt sich jetzt, das EMI lange Zeit zu zögerlich war, neue Vertriebsmodelle für das Musikgeschäft zu entwickeln. Die eigentlichen Ursachen, neben Managementfehlern, sind längst bekannt: Downloads ersetzen zunehmend die CDs im Popmusikmarkt. Dies bedingt einen rasanten Preisverfall bei den Tonträgern. Hinzu kommt das illegale Herunterladen von Musikdateien im Internet. Der internationale Branchenverband „International Federation of the Phonographic Industry“ schätzt, dass 95 Prozent aller weltweiten Musikdownloads illegal sind.
Was heute die Popmusik betrifft, wird morgen die Klassik erreichen. Die Zukunft der Musik ist digital. Die CD wird lang über kurz verschwinden, wie das Vinyl auch. Die großen Einzelhandelsketten werden als Katalysator der Marktveränderung agieren und auch bei der CD den „Schwanengesang“ einleiten. Wenn Mediamarkt und Saturn den CD-Verkauf einstellen, ist der Paradigmenwechsel zwangsläufig vollzogen. Die Musikliebhaber werden sich auf neue, dem Medium entsprechende Speicher- und Abspielgeräte auf Mp3-Basis einstellen müssen. Neuerscheinungen wird es dann nur noch im Internet geben. Dies wird auch zu einer Veränderung bei den Musikrechten führen. Schon heute kann man das illegale Kopieren von Musikdateien nicht verhindern.
Für die Klassik-Labels heißt dies, schon jetzt die Geschäftsmodelle anzupassen – entweder auf die eines rein technischen Dienstleisters oder auf 360-Grad-Vermarktung.
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Wie die Zeiten sich doch ändern - das beschreibt Günther Pichler, Violinist des Alban Berg Quartett sehr treffend in einem Interview der Süddeutschen Zeitung, anlässlich der Abschlußtournee des Streichquartetts. „Wir haben es sehr gut gehabt“, antwortet er auf die Frage, wie es mit Leistungsdruck gestern und heute auf junge Künstler steht.
Pichler verweist auf seine Zeit als junger Musiker und konstatiert, dass man früher mehr Möglichkeiten hatte Konzerte zu spielen, die Gage zwar überschaubar war, es jedoch ein interessiertes Publikum gab, die von sich aus Konzerte organisiert haben. „Heute muss am selber initiativ werden“. Genau an diesem Punkt setzen wir mit Monalvo an. Wir bieten mit unserer Monalvo-Community ein sehr einfach zu bedienendes Instrument zur Selbstvermarktung.
Doch was bedeutet Selbstvermarktung im Zeitalter von Web 2.0.? Als Künstler ist es mit Hilfe des Internets möglich kostengünstig, schnell und einfach Bekanntheit erlagen und mit den relevanten Zielgruppen zu kommunizieren: Publikum, Agenturen, Konzertveranstaltern, etc.
Mit den technischen Hilfsmitteln einer Online-Gemeinschaft, wie Monalvo sie ist, bin ich in der Lage mein eigenes Publikum zu finden, es sogar zu „erschaffen“ und mit dem Mittel der E-Mail oder eines Newsletters an mich zu binden. Darüber hinaus kann ich Kontakte zu Konzertveranstaltern und Agenturen aufbauen, Konzerträumlichkeiten suchen und finden, einen Ticketverkauf (online und offline) organisieren, meine Werkinterpretationen aufnehmen (lassen) und die Aufnahme als CD (on demand) oder als Mp3-Download verkaufen.
Früher hingegen, mit den Worten Pichlers „gestern“, brauchte es viele Beteiligte um bekannt zu werden. Heute kann und muss ich mich selbst darum kümmern. Dafür bietet das Web 2.0 alle Möglichkeiten.
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Der Begriff Aggregator bezeichnet ein Internet-Unternehmen, das alle Anbieter, Nachfrager und Produkte eines Segmentes unter einer Webadresse, einer Benutzeroberfläche und einer Suchlogik zusammenzufasst und so für jedes Angebot mindestens einen Nachfrager findet. Ein bekanntes Beispiel ist EBay, der Aggregator für alle physischen Konsumartikel, die auf der Welt angeboten werden. Ein Aggregator in der Musik ist ein Internetangebot, an dem Künstler, Aufnahmen, Konzerte und Publikum ebenso wie andere Download-, CD- und Ticketshops und weitere musikbezogene Angebote an einem Ort zusammengeführt werden. Der Zweck eines Aggregators ist klar: Jeder Künstler oder Vermarkter hat heute eine Website. Aber eine Website ist zunächst eine Plakatsäule im Wald. Sie muß an die Straße verschoben werden, dort wo der meiste Verkehr ist. Also auf Internetdeutsch: der Traffic. Dafür bietet sich entweder Suchmaschinenwerbung an, oder Werbung auf einer Website, wo das ganze Publikum versammelt ist – einem Aggregator.
MySpace ist heute für fast alle Musikströmungen weltweit der marktführende Aggregator. Hier haben alle Musiker ihre Präsenz, neue Aufnahmen und Konzerte werden vorgestellt, weiterempfohlen, beworben. Es findet sich buchstäblich alles: neuerschienene Hit-CDs neben Downloads, die gestern in einer Garage in Hong Kong aufgenommen wurden. Konzertpromotions der Rolling Stones neben Einladungen zu ersten Live-Auftritten von Schülerbands auf dem Schulfest. Der Wegweiser durch dieses Universum ist der eigene Geschmack des Nutzers in Verbindung mit Such- und Empfehlungsmechanismen des Web 2.0.Publikum verabredet sich für Konzerte, durchforstet das Angebot nach Neuigkeiten, entdeckt und verbreitet sie weiter. Virtuelle Fangemeinden bilden sich, Musikerkarrieren beginnen heute bei MySpace.
Durch die günstigen Produktions- und Distributionsbedingungen von Downloads findet dort jedes Angebot Nachfrager und seien es noch so wenige. Trotzdem: Die Vielfalt an veröffentlichter Musik heute ist um ein vielfaches Größer als je zuvor. Die Hits der Musikindustrie weichen der Lust des Publikums am eigenen, individuellen Musikgeschmack.
Diese Entwicklungen stehen in der Klassik erst am Anfang. Der CD-Umsatz ist relativ stabil, wenn auch die Vielfalt des Angebotes hier noch mehr darunter leidet, dass der physische Einzelhandel für Klassik jenseits der großen Musikkonzerne, die allein noch im Handel vertreten sind, praktisch nicht mehr existiert und das Onlinegeschäft diesen Umsatzverlust noch nicht auffangen konnte. Sowohl für die unabhängigen Klassik-Labels (allein in Deutschland 1.200), als auch die Agenturen und Veranstalter in der Klassik (Deutschland 1.500) gilt, dass bislang über die 360-Grad-Vermarktung erst auf Verbandstagungen geredet wird.
Die Marktteilnehmer verweisen bei der Stabilität bzw. Unbeweglichkeit ihres Segmentes gerne auf die Altersstruktur des Publikums. Stärkster Abnehmer der klassischen Musik ist seit jeher die Zielgruppe der über Fünfzigjährigen mit einem Anteil von 63,9% (Zahlen von 2009). Trotzdem sind aufgrund des hohen Ausbildungs- und Einkommensstandes die Klassikkonsumenten heute allesamt im Netz, haben Email-Accounts und betreiben Online-Banking. Das Problem ist vielmehr, dass Klassik im Internet noch sehr benutzerunfreundlich ist. Bei CDs und Downloads findet man die Onlinehändler noch relativ leicht. Danach scheitert es aber oft an der Bedienung. Die Seiten sind auf das junge Popmusikpublikum in Gestaltung und Funktionsweise optimiert. Der ältere Klassikfreund bleibt auf der Strecke. Bei Konzertkarten muss man eigentlich die Webadresse des Ticketshops wissen. Über Suchmaschinen ist das Richtige kaum zu finden. Danach ergibt sich wieder das Problem der Bedienbarkeit.
Aber auch die Kernthese vom alten und deswegen konservativen Publikum ist grundsätzlich nicht haltbar. Für die Gruppe der Dreißig- bis Fünfzigjährigen, die 29,6% zum Marktvolumen beitragen, ist das Internet längst alltägliches Medium. Beeindruckend ist die Entwicklung bei den Jugendlichen: Lag der Anteil der unter Dreißigjährigen unter den Klassikkäufern 2008 noch bei 2,7%, stieg er 2009 um 74% auf 4,7%. Bei den Zehn bis Neunzehnjährigen stieg der Anteil von 1,3% in 2008 auf 1,8% in 2009. Ein Treiber für diese Entwicklung: Die Affinität der Zielgruppe zum Internet. Junge Klassikfreunde scheitern nicht an der Bedienung und sie sind es gewohnt, über Dinge, die sie interessieren, punktgenau benachrichtigt zu werden und gleich am Computer kaufen zu können. Der zweite: Die Preiserosion durch das Internet. Die Jugendlichen sind die einzige nicht einkommensstarke und daher preiselastische Nachfragergruppe in der Klassik. Fazit: Das Internet ist für die klassische Musik der lange gesuchte Weg, junges Publikum zu gewinnen. Man muss es nur entsprechend zu nutzen verstehen.
Für die Künstler sind diese Entwicklungen hervorragend, auch wenn das noch die wenigsten von ihnen erkannt haben. Aus der Sicht der Musiker wäre es insgesamt wünschenswert, wenn die Entwicklung in der übrigen Musikindustrie auch in der Klassik stattfindet, so dass die bisherigen Label-, Veranstalter- und Agenturleistungen aus einer Hand kommen. Darüber hinaus beträgt bereits heute das Umsatzverhältnis Aufnahme zu Konzert in der Klassik nicht wie in der gesamten übrigen Musikindustrie 1:2 zugunsten des Konzerts, sondern 1:6! Klassikkünstler leben von Konzerten, nicht von Aufnahmen. Eine weitere Verschiebung der Ausgaben füllt die Konzertsäle und stärkt daher die wirtschaftliche Situation der Künstler.
Die Megatrends der Musikindustrie und das Internet, das diese Trends verstärkt, sind in der Klassik potentiell gut für die Musiker, gut für die Agenturen, gut für das Publikum und gut für die klassische Musik!
Man muß sie nur nutzen. Dazu braucht es zweierlei: Internetauftritte der Künstler und Vermarkter, die den Ansprüchen des Web 2.0 entsprechen und einen Aggregator, der für den Traffic sorgt.
Wie gesagt: MySpace ist heute für fast alle Musikströmungen weltweit der marktführende Aggregator. Einzig die Klassik ist bei MySpace praktisch nicht vertreten. Bislang hat ein Unternehmen diese Marktlücke erkannt und bereits begonnen, sie zu schließen: Monalvo (www.monalvo.com).
Matthias Puschnig
Dieser Artikel wurde verfaßt für:
http://www.startconference.org/2010/05/04/blogparade-startconference-kulturmanagement-network-geschaftsmodelle-im-web-20-verlangert-bis-75/
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Die
Verkaufszahlen der Compact Disc schrumpfen, die Downloads nehmen zu. Kein
Wunder, dass es auch die großen Klassik-Labels zu spüren bekommen. Die
Nachricht, dass Decca Records wahrscheinlich keine neuen Produktionen
veröffentlichen wird, untermauert den von mir hervor gesagten Trend. Das Label,
das Pavarotti exklusiv unter Vertrag hatte, zu dem Julia Fischer vor nicht
langer Zeit gewechselt ist und Größen wie Solti und Mehta betreut, steht vor
dem Aus. Doch zu den Details: Schon im
Februar berichtete der Evening Standard über Probleme der Firma, im April
verdichteten sich die Gerüchte, das die Umstrukturierungen nicht den erhofften
Aufschwung gebracht hatten und Entlassungen vorgenommen wurden. Auf diversen
Blog-Seiten rätseln die Hörerschaft und Decca-Jünger über mögliche
Managementfehler und das warum, obwohl es doch ganz klar ist: Auch in der
Klassik ist der Wandel angekommen und wichtige Marktentscheidungen werden im
Internet getroffen.
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erstellt am 14.09.2008 18:25:
Es
waren die DRESDNER SINFONIKER, nicht Philharmoniker! Dieser Unterschied
ist recht bedeutend: die Philharmonie ist ein von der Stadt Dresden
getragenes staatliches (oder besser: kommunales) (übrigens:
Spitzen)Orchester. Die Sinfoniker arbeiten projektweise und setzen sich
aus Musikern verschiedener Spitzenorchester zusammen.
Der etwas
hochgejazzte Gag mit dem Ferndirigat war eher ein werbeträchtiger Joke:
M. Helmrath stand in London an der Themse und dirigierte einen
Drehorgelspieler, der eine Variante der Star-Wars-Musik spielte. In
Dresden spielte nach dem gleichen Dirigat das Orchester, das aber in
London nicht zu hören war. Viel mehr als Star-Wars wird aber auch auf
diese Weise nicht zu dirigieren sein; und auch Absprachen über Auf- und
Abstriche mache ich lieber direkt... es gibt da ja auch allerhand
auszuprobieren. Einen kompletten IDOMENEO möchte ich nicht per
Videokonferenz einrichten...
Leider war der Werbejoke übrigens
insgesamt wenig wirksam, das Konzert zum 10-jährigen Bestehen des
Orchesters war nicht besonders gut besucht - trotz Programm mit
Rockband und Bigband.
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In der Süddeutschen Zeitung vom letzten Freitag war zu lesen, dass
sich die Dresdner Philharmoniker per Ferndirigat aus London zu ihrem
zehnjährigen Bestehen präsentiert haben, nach eigener Aussage eine
Weltpremiere. Im gleichen Artikel wird erwähnt, dass bereits ein Jahr
vorher das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra als erstes
vollständig computergeneriertes Orchester bei Second Life auftrat.
Am
Verblüffendsten daran fand ich, dass der Verfasser beides in einem
Artikel untergebracht hat. Auf der einen Seite eine Art musikalische
Videokonferenz, mit der ein Technikeinsatz vorgeführt wurde, der in
Zukunft meiner Meinung nach insbesondere in der Probenarbeit Bedeutung
gewinnen wird. Schließlich kann es durchaus sinnvoll sein, Absprachen
der Streicher zu Auf- und Abstrichen, Einzelstimmenproben, Einsätze und
Übergänge dezentral zu proben, um Zeit und Kosten zu sparen. Aber
ansonsten wird nahezu jeden Abend in jeder Oper über Video dirigiert,
besipielsweise der Chor aus dem Hintergrund. Insofern ist hier
technisch nichts wirklich Neues passiert.
Wenn ein Orchester in
Second Life auftritt, dann ist das etwas komplett anderes. Hier wird
einfach versucht, Werbung für das Orchester und klassische Musik im
Internet zu machen und darüber eine neue Zielgruppe zu erreichen. Das
erinnert ein wenig an die Metropolitan Opera, die in den USA landesweit
Opern in Kinos überträgt, sodass man Tosca mit Cola und Popcorn
genießen kann.
Wer darin den Untergang unserer Kultur sieht,
verwechselt Werbung für Klassik mit der eigentlichen Rezeption. Sicher
funktioniert Klassik eigentlich nur an dem Ort und in dem Augenblick,
wo sie erklingt. Sie funktioniert auch nur, wenn man sich auf das
Zuhören konzentriert. Alles andere ist entweder Werbung für dieses
Erlebnis oder die Auffrischung einer Erinnerung. Das gilt aber
natürlich auch für die CD im heimischen Wohnzimmer, das Autoradio oder
jede andere Form der indirekten Wiedergabe.
Sergiu Celibidache
hat aus diesem Grund ja auch abgelehnt, mit den Münchner
Philharmonikern, als er deren Chefdirigent war, je eine Aufnahme zu
machen. Die Hlatung kann man schon nachvollziehen, allerdings ist sie
der Grund, warum die Münchner heute das wohl unbekannteste
Spitzenorchester der Welt sind.
Ich jedenfalls finde es legitim,
ja notwendig, überall für Klassik zu werben, in jedem Sinn dieses
Wortes. Alles, was neues Publikum in die Konzertsäle führt, ist gut.
Und gerade das Internet, mit seiner exponentiell wachsenden Bedeutung
für die menschliche Kommunikation kann, richtig genutzt, enormes für
die Klassik leisten.
Genau das ist der Grund, warum wir Monalvo gegründet haben: Um das Internet optimal für die Klassik zu nutzen.
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In seinem Weblog streift Prof. Klemm das schöne Thema Netrebkoismus,
also die zunehmende Dominanz des Rummels um Stars. Zum nachlesen: http://www.monalvo.com/blog/Weblog+von+Ekkehard+Klemm/2943
Der
Netrebkoismus ist meiner Meinung nach der Schwanengesang der
Unterhaltungsindustrie. Seit 2008 50% Umsatzeinbuße, das hat an allen
Enden Auswirkungen. Wenn man sich die Werbung von Deutscher Grammophon
in einem beliebigen Opernprogramm ansieht, findet man sieben
Neuauflagen von Karajan, Domingo, Cotrubas etc. und drei Netrebkos e
tutti quanti. Insgesamt versucht die Industrie, mit ihren verbliebenen
Mitteln umsatzträchtige Stars zu pushen, wie in der Popmusik. Die
Reichhaltigkeit der Klassik ist zumindest bei der Aufnahme und im
Einzelhandel bereits verlorengegangen - im Prinzip gibt es Klassik CDs
im Laden nur bei Mediamarkt etc. und dort findet man eben wieder nur
noch alte Hits und neue Stars. Um einmal pro domo zu sprechen: Aus
diesem Grund haben wir unter anderem Monalvo gegründet. Damit man
wenigstens im Internet diese Reichhaltigkeit noch findet und um noch
mehr Reichhaltigkeit zu schaffen, als sie der CD Markt je bieten
konnte. Und natürlich um zu helfen, damit die Reichhaltigkeit des
Konzertbetriebes nicht ebenso verlorengeht.
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