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In der Süddeutschen Zeitung vom letzten Freitag war zu lesen, dass
sich die Dresdner Philharmoniker per Ferndirigat aus London zu ihrem
zehnjährigen Bestehen präsentiert haben, nach eigener Aussage eine
Weltpremiere. Im gleichen Artikel wird erwähnt, dass bereits ein Jahr
vorher das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra als erstes
vollständig computergeneriertes Orchester bei Second Life auftrat.
Am
Verblüffendsten daran fand ich, dass der Verfasser beides in einem
Artikel untergebracht hat. Auf der einen Seite eine Art musikalische
Videokonferenz, mit der ein Technikeinsatz vorgeführt wurde, der in
Zukunft meiner Meinung nach insbesondere in der Probenarbeit Bedeutung
gewinnen wird. Schließlich kann es durchaus sinnvoll sein, Absprachen
der Streicher zu Auf- und Abstrichen, Einzelstimmenproben, Einsätze und
Übergänge dezentral zu proben, um Zeit und Kosten zu sparen. Aber
ansonsten wird nahezu jeden Abend in jeder Oper über Video dirigiert,
besipielsweise der Chor aus dem Hintergrund. Insofern ist hier
technisch nichts wirklich Neues passiert.
Wenn ein Orchester in
Second Life auftritt, dann ist das etwas komplett anderes. Hier wird
einfach versucht, Werbung für das Orchester und klassische Musik im
Internet zu machen und darüber eine neue Zielgruppe zu erreichen. Das
erinnert ein wenig an die Metropolitan Opera, die in den USA landesweit
Opern in Kinos überträgt, sodass man Tosca mit Cola und Popcorn
genießen kann.
Wer darin den Untergang unserer Kultur sieht,
verwechselt Werbung für Klassik mit der eigentlichen Rezeption. Sicher
funktioniert Klassik eigentlich nur an dem Ort und in dem Augenblick,
wo sie erklingt. Sie funktioniert auch nur, wenn man sich auf das
Zuhören konzentriert. Alles andere ist entweder Werbung für dieses
Erlebnis oder die Auffrischung einer Erinnerung. Das gilt aber
natürlich auch für die CD im heimischen Wohnzimmer, das Autoradio oder
jede andere Form der indirekten Wiedergabe.
Sergiu Celibidache
hat aus diesem Grund ja auch abgelehnt, mit den Münchner
Philharmonikern, als er deren Chefdirigent war, je eine Aufnahme zu
machen. Die Hlatung kann man schon nachvollziehen, allerdings ist sie
der Grund, warum die Münchner heute das wohl unbekannteste
Spitzenorchester der Welt sind.
Ich jedenfalls finde es legitim,
ja notwendig, überall für Klassik zu werben, in jedem Sinn dieses
Wortes. Alles, was neues Publikum in die Konzertsäle führt, ist gut.
Und gerade das Internet, mit seiner exponentiell wachsenden Bedeutung
für die menschliche Kommunikation kann, richtig genutzt, enormes für
die Klassik leisten.
Genau das ist der Grund, warum wir Monalvo gegründet haben: Um das Internet optimal für die Klassik zu nutzen.
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