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Herzlich willkommen im Internetzeitalter! Dies ist keine spöttische Bemerkung, nein es sind die berühmt-berüchtigten Lobes-Lorbeeren vorweg. Vorbei die Zeit wo die Intendanz selbstverliebt im musikalisch-künstlerischen abtauchte und die ehrwürdige Marke den Stürmen des neuen Internet-Zeitalters ungeschützt ausgesetzt war. Martin Hoffmann heißt der neue Intendant, der die Philharmoniker für das 21. Jahrhundert rüstet.
Man kann es drehen und wenden wie man will, am World Wide Web, vulgo Internet, und Web 2.0, neuerdings nur noch Social Media genannt, kommt kein Mensch, keine Firma und kein Orchester mehr vorbei. Die Zukunft ist Digital. Das hat der neue Intendant Hoffmann, Jurist und Medienmanager erkannt. Er schickt sich an, für sein Orchester ein großes Stück vom Klassik-Kuchen abzuschneiden: mit Live-Übertragungen der Spielveranstaltungen auf Kinowände, mit einem kostenpflichtigen Live-Stream im Internet für moderate 149 Euro im Jahr und 9 Euro pro Einzelzugang. Da mögen die althergebrachten höhnen, dass alles sei doch keine Klassik-Marketing mehr. In der Tat, das ist es auch im klassischen Sinn nicht mehr. Die Vermarktung der Klassik erfindet sich gerade neu. Es ist eine Mischung aus Aufführung in Konzertsälen und multimedialer Verbreitung, ob live oder gestreamt. Die neue Klassik nutzt die Möglichkeiten der sozialen Netzwerk, der spezialisierten Communitys, interaktiver Austauschplattformen. Mit Hoffmann schickt sich ein neuer Typus von Intendanten an, die Klassik mit dem Populären zu vermählen. Raus aus den oftmals verstaubten, dunklen Konzertsälen in das gleißende, vielversprechende Licht des Netz der Netze.
Die Performance hat freilich keinen Selbstzweck. Nicht weil es gerade der dernier cri, also neudeutsch hip und angesagt ist, sondern weil Hoffmann das Orchester und damit zwangsläufig auch die Klassik in der Außendarstellung entwickeln und dem Volk näher bringen, also popularisieren will. Bravo, möchte man ausrufen, soviel Chuzpe muss man erst mal haben! Ich höre schon das Rufen im Walde. „Wir wollen unseren Karajan wieder“. Dabei ist die fulminante Entwicklung des exquisiten Klangkörpers bis heute, ohne den schlohweißen Maestro und ohne Claudio Abbado nicht vorstellbar. Doch nicht nur, und das ist aus meiner künstlerischen Sicht erfreulich, das Marketing verändert sich, sondern auch die Komposition des Klangs schreitet vorwärts – Crossover-Projekt im Kammermusiksaal sind vorstellbar. Wir dürfen also gespannt sein, ob die Philharmoniker Ihrer Vorreiterrolle in Deutschland gerecht werden und ob weitere den Maßgaben aus Berlin nacheifern.
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