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  • Letzter Beitrag: 16.9.2010 14:38
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Blogeintrag

16.9.2010 14:38

Matthias Puschnig

Warum nicht wieder einmal mit Blick auf’s Publikum komponieren?

Es ist schon eine Krux mit der Klassik – sie sucht neue Wege und findet sie nicht. Die Opernhäuser inszenieren ungezählte Uraufführungen, doch substanzielle Erfolge gibt es keine. Anstelle darüber nachzudenken, was das Publikum will, komponiert man hierzulande für die Jurien von Wettbewerben – also für die eigenen Lehrer.
Die neue Musik ist in Mitteleuropa die tonangebende Avantgarde und sie ist nachwievor so unbeliebt wie zu Arnold Schönbergs Zeiten. Dies hängt jedoch mit den Ansprüchen der Komponisten an ihr Publikum zusammen. Nehmen wir als Beispiel die Oper. Betrachtet man den Output hierzulande, so könnte gar der Verdacht aufkommen, dass Komponisten nur für Ihresgleichen die Feder schwingen. Ganz anders jenseits des Atlantiks, in den USA, wo Komponisten geradezu erpicht sind, mit ihren Werken dem Publikum zu gefallen. Hegie, Adamo, Golijov, Catán, Previn, Glass: sie alle verstehen es, im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen, traditionelle und packende Geschichten zu erzählen, statt in abstrakte Klangtheaterräume vorzustoßen. Es wäre interessant festzustellen, wie diese Musik auf das europäische Publikum wirkt. Dazu müßte man diese Werke hier allerdings aufführen und nicht dem Publikum vorenthalten. Hierzulande entstehen neue Werke allerdings nicht mit Blick auf das Publikum, sondern als Auftragskomposition, die nur allzu häufig über die Uraufführung nicht hinauskommen oder als Wettbewerbsbeitrag, wo sie wiederum nur durch andere zeitgenössische Komponisten beurteilt werden.

Kommentare:

RTHRTH erstellt am 15.10.2010 11:01:
Freut mich sehr, dass der Monalvo-Gründer bloggt - und hier gleich ein Thema anspricht, dass mich zuzeit wieder intensiver beschäftigt. Und ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die gerade für die Oper gänzlich ungeeingnete ästhethische Maxime Adornos vom "enigmatischen Charakter der Kunst" ad acta gelegt werden wird und sich zeitgenössisches Opernschaffen wieder der "Wirkung", der "Überwältigung" des Publikums als wesentlichen Parameter besinnt.
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